Tri-Nationaler Einsatz für den Vogel mit der Federhaube

Kinderstuben für den Wiedehopf

Wer im Frühsommer am Kaiserstuhl und der Vorbergzone aufmerksam unterwegs ist, kennt vielleicht den Balzruf des Wiedehopfs: Sein "up-up-up" klingt zwar eher hohl, aber dennoch lautstark. Mit diesem Ruf lockt er die Weibchen an, denn Wiedehopfe führen nur eine Saisonehe und sind jedes Jahr zur Brutzeit auf der Suche nach einer Partnerin.

Mancher Wanderer ist schon erschrocken wenn er in einen Rebweg einbiegt und kurz davor der Wiedehopf mit seinen schwarz-weiß gebänderten Flügeln auffliegt. Doch den schönen, etwa drosselgroßen Vogel zu sehen ist eher selten. Zwar gibt es in Europa etwa 700.000 Brutpaare, doch in Deutschland brüten nur zwischen 370 und 400 Paare jedes Jahr. Davon etwas mehr als ein Drittel in der Südwestecke Deutschlands, vor allem am Kaiserstuhl, denn der Wärme liebende Vogel findet hier gute Möglichkeiten seinen Bestand zu sichern. Der Sonderling mit der Federhaube benötigt dabei überwiegend offene Landschaften und für die Nahrungssuche kurz bewachsene, zugängliche Böden. Auf seinem Speiseplan stehen alle Arten von Grillen, aber auch Engerlinge, Raupen und Käfer. Bei der Wahl der Behausung ist er jedoch anspruchsvoll: Seinen Unterschlupf wünscht er geschützt und trocken, daher zählen Baumhöhlen zu den ursprünglichen Nistplätzen.

Doch so gut ging es dem Vogel mit der Federhaube nicht immer, denn in den 80er Jahren wurde durch Flurbereinigung und Entfernung alter Streuobstbestände die Grundlagen seiner Nistmöglichkeiten deutlich reduziert. Und auch des Vogels Nahrungsquellen verringerten sich durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zusehends. So brüteten vor etwa 25 Jahren gerade noch sechs Brutpaare am Kaiserstuhl.

 

Einsatz für den Wiedehopf seit den 1990er Jahren
Damit die Wiedehopfe mehr Brutplätze antreffen können, um dem außergewöhnlichen Vogel das Überleben zu sichern, sorgten Vogelschützer. Einer davon ist der Biologe Christian Stange. Im Auftrag des Freiburger Regierungspräsidiums koordiniert er am Kaiserstuhl, im Breisgau und in den Vorbergzonen ein Schutzprojekt für Obstbaumwiesen, die einer großen Zahl an Vogelarten zu Gute kommt. Für Wiedehopfe hat der Experte mit seinen Helfern im Großraum Kaiserstuhl/Tuniberg auf etwa 45 Quadratkilometern Rebfläche, kleine Rebhütten mit 120 Holzkästen bestückt und so dem Wiedehopf zusätzliche Brutmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Eine Methode die in der Pfalz ihren Ursprung hatte und später, genau genommen ab den 1990er Jahren auch bei uns im Südwesten zum Einsatz kam.

Zusammen mit den Naturschutzverbänden wurden Nistkästen in den Hütten montiert, später Kästen auf Gelege und Jungvögel kontrolliert und die Standorte kartiert. So ist bis heute im Kaiserstuhl, am Tuniberg und in der Vorbergzone die Zahl der Nistkästen auf 180 angewachsen. Nach den aktuellen Kontrollen haben wir im Jahr 2015 in allen Bereichen etwas über 600 Jungvögel gezählt, freut sich der Biologe.

 

Gemeinsam mit der Schweiz und dem Elsass
Dass die Vogelschützer so erfolgreich gegensteuern konnten, war zu Anfang noch nicht sicher, denn die Landschaft war ausgeräumt und die damals umfangreichen Flurbereinigungsmaßnahmen waren für die gesetzten Ziele wenig hilfreich. Doch die Zeichen standen günstig, vor allem durch das europäische „Interreg“ Programm zur Erhaltung der Hochstamm-Obstgärten und ihrer Biodiversität - in dem auch die Förderung des Wiedehopfs und einiger weiterer Vogelarten Berücksichtigung fanden. In diesem trinationalen Projekt waren Naturschutzverbände aus der Schweiz (Schweizer Vogelschutz, SVS), Frankreich
(Ligue pour la Protection des Oiseaux, LPO Alsace)
und Deutschland (BUND und NABU) beteiligt. Streuobstwiesen konnten gepachtet, wenige gekauft und ausgemagert werden. Unter der Anleitung des Experten pflanzten freiwillige Helfer auf ausgesuchten Flächen mehr als 500 neue Streuobststämme in den Landkreisen rund um Freiburg. Ebenso förderte das Programm den Nistkastenbau, zu dem auch Schweizer Naturschützer deutlich dazu beigetragen haben. Denn auch in der Nordschweiz war der Wiedehopf kaum mehr anzutreffen. Ein weiteres Projekt sollte dem Rackenvogel auch dort wieder Brutmöglichkeiten und Heimat bieten. Vor Jahren starteten französischen Vogelschützer Maßnahmen, um im Elsass neue Lebensräume für den Wiedehopf zu schaffen. Nach vielen grenzüberschreitenden Einsätzen konnten 2014 im Elsass bereits 30 Brutpaare gezählt werden. Ein gutes Nahrungsangebotes sorgte sogar für Zweitbruten. Das hat allen Beteiligten Mut gegeben, auch weitere Regionen für den Wiedehopf wieder attraktiv zu machen. „Deshalb starten wir demnächst im Ortenaukreis an ausgesuchten Standorten mit einigen Brutkästen“, ergänzt der Biologe.

Zur Populationsstärkung hat auch die Begrünung der Rebzeilen beigetragen. In der Gras- und Streuschicht leben heute wieder vermehrt Kleintiere, so dass die Vögel ein vielfältiges Nahrungsangebot auffinden können. Das wiederum wirkt sich direkt auf die Gelegegröße aus, die bis zu neun Eier umfassen kann. Nistkästen werden inzwischen bevorzugt vom Wiedehopf angenommen, wenn ihm in unmittelbarer Nestnähe ausreichend Nahrung zur Verfügung steht. Seine Leibspeisen holt er am liebsten aus lockerem, erdigem Boden, die er mit seinem langen gebogenen Schnabel dann heraus zieht. Der Wiedehopf nistete ursprünglich bevorzugt in Streuobstbäumen, vor allem in alten Apfelbäumen, in der Nähe von Viehweiden oder lichten Wäldern. Heute ist er überwiegend in Weinbergen vorzufinden. Ein Wiedehopf in einer Baumhöhle anzutreffen, ist jedoch eher selten, erzählt Christian Stange und resümiert: „Für mich und meine Mitstreiter ist es eine erfüllende Arbeit, dem Wiedehopf wieder mehr Lebensmöglichkeiten zu geben. Unsere Maßnahmen, die auch durch das Artenschutzprogramm des Landes Baden-Württemberg finanziert wurden, haben wir auch den Steinkauz, Wendehals und Rotschwanz gefördert, das soll nicht unerwähnt bleiben. Wir alle sind stolz darauf, gerade beim Wiedehopf mit über 100 Paaren eine der größten Populationen in Mitteleuropa aufgebaut zu haben. Allen Beteiligen von BUND- und NABU-Gruppen ein herzliches Dankeschön.“   

INFO:
Der Wiedehopf ist weit verbreitet
Die Verbreitung des Wiedehopfes (Upupa epops) reicht von Südwest-Europa und Nordwest-Afrika bis nach Vorderasien, Teilen Arabiens, Sri Lanka bis Sumatra, sowie vom Baltikum bis zum Baikalsee. Der Vogel zieht im Frühherbst in seine Winterquartiere von Spanien bis südlich der Sahara. Der Zugvogel zählt zur Ordnung der Rackenvögel. Offene, warm-trockene Landschaften mit geeigneten Bruthöhlen werden bevorzugt. Das Weibchen legt im April zwischen 5 und 9 hellblaue Eier und bebrütet diese alleine. Nach etwa 18 Tagen schlüpfen die Jungen, die vom Muttervogel noch etwa 10 Tage gehudert und bewacht werden. Danach versorgen beide Elternteile diese noch etwa 14 Tage. Nach dreieinhalb Wochen hat sich das Gefieder soweit entwickelt, dass die Jungen die Bruthöhle verlassen. Die Altvögel füttern draußen die Jungen noch einige Tage, doch sie werden schnell selbstständig und gehen dann eigene Wege. In guten Jahren oder bei Verlust einer Brut gibt es Zweitbruten, die noch bis Anfang Juli erfolgen können. Schon Anfang August verlassen die ersten Vögel den Südwesten, um ihr Winterquartier aufzusuchen. Auf der Route gen Süden pausieren Sie tagsüber und nutzen die Nachtstunden für den Flug, dabei fliegt der Vogel nie im Schwarm. Sie überwintern dann bis März/April von Südspanien bis zu den Savannen Afrikas.

Interessant ist eine Geschichte um eine Fundmeldung: Ein marokkanischer Biologiestudent  sollte in seiner Heimat Daten zu in Deutschland beringten Vögeln sichten. Bei der Auswertung von verschiedenen Meldungen entdeckte der Student einen deutschen Vogelring, der jahrelang in der Schublade geschlummert hatte. Über die Vogelwarte Radolfzell, wo alle Registrierungen gesammelt werden, war schnell klar: Es war ein Wiedehopf, der sechs Jahre zuvor im Markgräfler Land beringt und bei Casablanca, über 2100 km entfernt, kontrolliert wurde.  

(c) Text und Bild: Wolfgang Speer