Besuch beim Cartoonist Klaus Karlitzky

Die Pointe muss sitzen

Was hat das Reinheitsgebot mit einem Cartoon zu tun? – Einiges! - Zumindest für Klaus Karlitzky der mit „Happy Biersday“ das Thema „Bier“ auf meisterhafte Art in 40 Cartoons umgesetzt hat. Seine Präsentation in Lahr war gespickt mit Komik und Wortspielen rund um den Gerstensaft. Grund genug den Künstler in seiner Cartoon-Schmiede in Freiamt zu besuchen.

Schon beim Betreten der Ideen-Werkstatt spürt man Kreativität: Bildcollagen an der Wand, Bildmappen, Papier und Entwürfe übereinander, ein Glas mit Bleistiften, Pinsel, Aquarellfarben und ein Skizzenblock. Auf Nachfrage meint der Cartoonist: Der Skizzenblock ist die Grundausrüstung. Er ist permanent dabei für Aufzeichnungen, denn schnell ist eine Kuriosität vergessen, die uns im täglichen Leben begegnet. Selbst auf dem Nachttisch liegt ein Notizzettel, lässt er uns augenzwinkernd wissen.

Auf die Frage wie er zeichnen lernte erzählt er: Handzeichnungen sind eine Begabung schon seit Kindertagen, in denen ich pausenlos gezeichnet habe. Verschmitzt gibt er zu: Im Kunstfach der Schule war ich nur mangelhaft, weil ich nicht so gezeichnet habe wie es der Kunstlehrer wollte. Während meiner Ausbildungszeit erkannte ich zunehmend meine Fähigkeiten. Erste Cartoons erstellte ich damals für das Freiburger Uni-Magazin.    

Was war ausschlaggebend in Richtung Cartoon und wann gab es Erfolge?
Eindeutig war es das Kunstgeschichtestudium an der Uni Freiburg. Während des Studiums über die  Werke herausragender Künstler und Grafiker, reifte in mir der Wunsch selbst etwas zu machen. Das Zeichnen wurde zur Regelmäßigkeit. Das wurde belohnt: 1995 mit dem zweiten Faber-Castell Preis und 2003 mit Platz eins beim internationalen Cartoon Wettbewerb in Wien. Über die Zeitungen wurden meine Cartoons in der Branche bekannt, Grafiken wurden nachgefragt und abgedruckt.

Wie entsteht ein Cartoon eigentlich und wie kommt‘s aufs Papier?
Hier zahlt sich Aufmerksamkeit im Leben aus, denn tagtäglich gibt es Kuriositäten, Wortspielereien oder Mehrdeutigkeiten bei Begriffen. Oft sind es ganz banale Dinge in Lebenssituationen. Für Notizen kommt wieder der Skizzenblock ins Spiel. Ein Cartoon ist nichts was man schnell hinzeichnet,  sondern ich arbeite zielgerichtet um die Pointe heraus zu kitzeln. Über einige Entwurfskizzen entstehen Vorzeichnungen und später das Bild, so wie ich es haben will. Zum Schluss kommt Farbe ins Spiel um Dinge im Cartoon hervor zu heben oder eine gewisse Stimmung zu erzeugen.

Ein Karlitzky Cartoon konzentriert sich auf das Wesentliche?
Dies ist mein Stil.  - Es gibt Comics als Bildergeschichten, dann gibt es Karikaturen und es gibt den Cartoon. Cartoons können auch aus drei Bildern bestehen - ich mache es immer nur mit einem Bild: Das was ich festhalte, ist eine ganz bestimmte Situation, wie die einzelne Szene aus einem „Film“. Und genau wenn die Situation kippt kommt der Betrachter dazu. Eher unbewusst erlebt man in einem einzigen Bild auch die Szene „davor und danach“, der Spruch dazu verstärkt die Wirkung. 

Sind Cartoons Spaßbilder?
Nein, Cartoons sind keine Spaßbilder. Sie enthalten eine Message und will die Menschen zum Nachdenken anregen. In etwa so: Du wir sprechen deutsch, aber wir haben mehrere Ebenen in unserer Sprache. Diese Vielschichtigkeit lege ich im Cartoon offen. Leute in der Ausstellung sagen dann plötzlich: So habe ich das Thema noch nie gesehen oder darüber nachgedacht. Humor ist das Transportmittel, dazu kommt die Sprachakrobatik. Dann sitzt auch die Pointe.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Meine Edition „Schwarzwald Kartoon“ wird um neue Motive erweitert. Ausstellungen dazu sind in der Planung. Auch die „Bierserie“ lebt weiter und wird nachgefragt. Für 2017 soll erstmalig ein Cartoon-Buch kreiert werden. Daneben gibt es natürlich viele neue Themen die derzeit parallel erarbeitet werden. Mein Publikum darf sich auf neue Karlitzky’s Cartoons auf jeden Fall freuen. 

Kurze Vita:
Klaus Karlitzky, 1958 in Freiburg geboren, studierte einige Semester Kunstgeschichte an der Freiburger Uni, danach schloss er an der Fachhochschule für Gestaltung in Darmstadt als Diplom-Grafikdesigner ab. Seine Cartoons wurden in zahlreichen regionalen Magazinen und der Tagespresse veröffentlicht und prämiert. Die künstlerische Umsetzung von Themen über die alltäglichen Dinge des Lebens begeistert Menschen jeden Alters.

Infos unter: http://www.kk-cartoon.de

(c) Text und Bild: Wolfgang Speer